Eine Heizung die taktet, verschleißt. Eine Heizung die zu heiß läuft, verschwendet. Beides lässt sich messen, beides lässt sich ändern – und beides kostet in der Optimierung fast nichts. Was fehlt ist meistens kein Geld, sondern Daten.
Was Optimierung konkret bedeutet
Fünf messbare Ziele – alle erreichbar ohne Systemwechsel:
- Taktung reduzieren – kurze Brennerstarts mit schnellem Abschalten sind der Effizienz-Killer Nummer eins.
- Wirkungsgrad erhöhen – niedrigere Vorlauftemperaturen verbessern den Kesselwirkungsgrad direkt.
- Rücklauftemperatur senken – je kälter der Rücklauf, desto effizienter der Brennwerteffekt bei Gasbrennwert.
- Laufzeiten stabilisieren – längere, ruhigere Brennerlaufzeiten statt vieler kurzer Starts.
- Verbrauch messbar machen – ohne Messung kein Vergleich, ohne Vergleich keine Verbesserung.
Die technischen Hebel
- Vorlauf- und Rücklauftemperatur messen – nicht schätzen, nicht ablesen wenn man dran vorbeigeht. Dauerhaft loggen.
- Heizkurve korrekt einstellen – die meisten Heizungen laufen mit zu steiler Heizkurve. Schritt für Schritt absenken und beobachten ob die Räume noch warm werden.
- Hydraulischer Abgleich – ohne Abgleich kämpfen Heizkörper gegeneinander. Die nahen laufen zu heiß, die fernen zu kalt. Ergebnis: Vorlauf wird erhöht obwohl das Problem woanders liegt.
- Pumpenleistung anpassen – alte Heizungspumpen laufen auf Vollast unabhängig vom Bedarf. Eine Hocheffizienzpumpe mit Δp-Regelung spart 80–150 € Strom pro Jahr.
- Mischer sauber regeln – ein schlecht eingestellter Mischer verursacht Temperaturschwingungen, die direkt in Taktung münden.
- Pufferspeicher richtig schichten – oben heiß, unten kalt. Durchmischung vernichtet die nutzbare Energie im Speicher.
Die großen Fehler
- Zu hohe Vorlauftemperatur – häufigster Fehler, oft vom Installateur als „sicher“ eingestellt und nie wieder angefasst. Jedes Grad zu viel kostet.
- Zu kleine Spreizung (VL-RL) – eine Spreizung unter 10 K zeigt an, dass zu wenig Wärme abgenommen wird. Ursache: zu hoher Volumenstrom, schlechter Abgleich oder zu große Pumpe.
- Dauerhaft überdimensioniert – ein Kessel der für ein unsaniertes Haus ausgelegt wurde und jetzt ein gedämmtes Haus versorgt, taktet strukturell. Keine Einstellung löst das vollständig.
- Keine echte Rücklaufmessung – Rücklauftemperatur am Kessel ablesen ist nicht dasselbe wie Rücklauf am letzten Heizkörper messen.
- Blindflug ohne Daten – wer nicht misst, optimiert nach Gefühl. Das funktioniert nicht.
Monitoring aufbauen
Was gemessen werden sollte:
- Mehrere Temperaturfühler – Vorlauf, Rücklauf, Speicher oben / mittig / unten, Außentemperatur. Günstiger DS18B20 pro Sensor: unter 2 €.
- Laufzeit-Logging – Brenner läuft / läuft nicht. Ein digitaler Eingang am Mikrocontroller reicht.
- Brennerstarts zählen – pro Tag, pro Woche. Sinkende Startzahl bei gleichem Wärmebedarf = Optimierung funktioniert.
- Außentemperatur einbeziehen – nur im Kontext der Außentemperatur lassen sich Verbräuche sinnvoll vergleichen.
- Grafische Auswertung – Zahlen in einer Tabelle erkennt man nicht. Grafana oder ähnliches macht Muster sichtbar.
Was es wirtschaftlich bringt
- Jedes 1 °C weniger Vorlauftemperatur spart bei Brennwertheizung real 2–3 % Gasverbrauch.
- Taktung reduzieren – weniger Starts bedeuten weniger Anlaufverluste, weniger Verschleiß, längere Lebensdauer.
- Laufzeitverlängerung – ein Kessel der 3× am Tag je 40 Minuten läuft ist effizienter als einer der 20× je 6 Minuten läuft.
- Optimierungskosten: Temperaturfühler + Mikrocontroller + etwas Zeit. Unter 50 € Materialkosten für ein vollständiges Monitoring-Setup.