Das andere «Wort zum Sonntag» oder: Epstein, Epstein, alles muss versteckt sein!

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Einige werden jetzt sicherlich empört aufrufen: Wie kann er nur? Wie kann er diesen Kinderreim derart entstellen? Er ver...

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Einige werden jetzt sicherlich empört aufrufen: Wie kann er nur? Wie kann er diesen Kinderreim derart entstellen? Er verhöhnt die Opfer! Beruhigen Sie sich. Das ist ganz sicher nicht meine Absicht. Im Gegenteil! Ich will nur darauf hinweisen, wie leicht wir uns in die Irre leiten lassen, wenn es darum geht, wie etwas berichtet wird, und fast als zweitrangig erscheint, was berichtet wird.

So ging es mir, als ich in den vergangenen Wochen den Artikeln zu der Epstein-Affäre zu folgen versuchte. Wie gesagt: Mehr als ein Versuch konnte es nicht sein, denn die Masse an Veröffentlichungen ist mittlerweile Legion. Hinzu kommt, dass das Ganze sowohl zur Klärung als auch zur Spekulation eingeladen hat. Verschwörungstheorien verbreiten sich seither rasend schnell.

Drei Zeitschriften habe ich exemplarisch herausgegriffen: Die Zeit vom 12. Februar, den Stern vom 12. Februar 2026 und den Cicero, ebenfalls vom laufenden Monat. Drei völlig unterschiedliche Arten, zu berichten.

Alle drei beleuchten sie Netzwerke, die Jeffrey Epstein aufgebaut hatte. Das Wie des Berichtens unterscheidet sie aber grundlegend voneinander. Stern und Zeit rufen mehr oder minder zum Klassenkampf auf respektive zum Kampf gegen das Patriarchat. Walter Wüllenweber vom Stern geht sogar so weit, in den jenen Netzwerken einen «Angriff auf die Demokratie und den Rechtsstaat» zu sehen. Wir hätten es hier mit einer «Revolution von oben» zu tun. Andrea Böhm sieht in ihrem Kommentar in der «Zeit» das Patriarchat am Werk und meint, «Frauenhass» dürfe nicht länger gesellschaftsfähig sein.

Der Cicero-Artikel von Lisa Davidson ist dagegen eher sachlich gehalten und verzichtet auf den Ruf des Kampfes von «uns hier unten» gegen «die da oben». Doch auch hier: tiefe Einblicke in ein Netzwerk aus Gefälligkeiten, Machtmissbrauch und Schweigen. Ein Netzwerk, das die Mächtigen schützt und die Machtlosen verachtet und missbraucht.

Während ich dies schreibe, kommt Wut in mir hoch; ich kann es nicht verhindern. Und ich möchte die Faust recken und mit dem Propheten Micha gegen die Mächtigen rufen: «Sie aber hassen das Gute und lieben das Böse!» (Micha 3,2)

Die Schilderung des Schicksals einer jungen Frau in der Zeit, die mit 15 Jahren in die Fänge Epsteins geraten war, ist schier unerträglich. Was sie erlitten hat, kann nur, muss nur mit den härtesten Strafen belegt werden, die in einem Rechtsstaat möglich sind. Dass diese Netzwerke aber genau darauf ausgelegt sind, eben jenen Rechtsstaat auszuhebeln, macht meine Wut nur noch größer. Und ich möchte mit Herrn Wüllenweber zum Kampf gegen die Superreichen ziehen!

Und dann … dann kommt mir in den Sinn, dass es in den Artikeln vor allem um das Wie der Berichterstattung geht. Meine Emotionen, die sollen ja gerade erschüttert, meine Wut, sie soll ja gerade geschürt werden, damit ich als ein weiterer Baustein im Kampf «Arm gegen Reich» präsentiert werden kann.

Was mir fehlt, ist eine Antwort auf die Frage nach dem Warum. Warum haben diese Männer das getan? Einfach weil sie reich waren? Und deswegen sich nun mal nicht an Recht und Gesetz halten müssen? Warum haben auch Frauen sich dieser Verbindung angeschlossen? Ghislaine Maxwell wurde zu einem, wenn nicht dem führenden Kopf von Epsteins Netzwerk.

Wenn die Antworten auf diese Fragen lauten: Es sind halt toxische Männer, oder wahlweise: Es sind halt Superreiche, dann werden wir immer an der Oberfläche bleiben. Nicht jeder Mann ist ein Frauenfeind; nicht jeder Superreiche will gleich die Demokratie zerstören.

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe auch keine Antwort. Nur eine Idee.

Meine Idee hängt sich an dem Begriff «Elite» auf. Immer wieder höre ich, dass die «Eliten» auf uns herabschauen. Dass die «Eliten» uns ausbeuten. Und immer mehr gerät dieser Begriff zu einer hohlen Phrase. Unter einer Elite verstehe ich Menschen, die etwas besser machen als andere. Menschen, die hohe Ansprüche an sich und damit sicher auch an andere haben. Eine Elite ist aber nicht einfach eine homogene Masse von Reichen. Oder − ehemaligen − Adligen wie «Prinz» Andrew, dem Bruder von König Charles, der nun wegen seiner Verstrickungen mit Epstein keinerlei Titel mehr führen darf.

Wenn die Elite einfach nur sehr mächtige Menschen sind, dann entleert sich dieser Begriff. Im Fall des Netzwerkes um Jeffrey Epstein möchte ich nicht mehr von Elite sprechen. Mir kommt es eher vor, als hätten wir es hier mit dem moralischen Bodensatz der Gesellschaft zu tun. Systeme wie dieses begünstigen, dass Menschen ohne moralische Vorstellungen, ohne einen Funken an Empathie, nach oben gespült werden.

Verstehen Sie mich bitte richtig: Ich bin Theologe, kein Psychologe. Seelsorger, kein Therapeut. Ich möchte mich nicht auf pathologische Begriffe einlassen, denn davon habe ich zu wenig Ahnung.

Und doch möchte ich sagen: Wenn in den privaten Räumlichkeiten, sei es in New York oder auf der Privatinsel Epsteins, Little St. James, an die tausend meist sehr junge Frauen missbraucht worden sind, dann haben wir es mit Männern zu tun, denen jegliche Empfindung für ihr Gegenüber fehlt. Sie sind in deren Augen nur ein Objekt zu ihrer Befriedigung, aber kein Mensch mehr.

Es geht also nicht um Reichtum. Der begünstigt nur, was ohnehin in ihnen angelegt ist. Und keine Revolution der Welt ändert die innere Verkommenheit dieser Menschen. Sie passen sich dann eben an die neuen Begebenheiten an. Vergleichen Sie gerne selbst die Machtstrukturen sozialistischer Diktaturen.

Als gläubiger Mensch, der Jesus von Nazareth bedingungslos vertraut, kann ich nur sagen: Es braucht eine Evolution von innen. Dazu brauchen wir als Gesellschaft wieder eine Verbindung mit Gott. So können die Worte Jesu eine lebensverändernde Bedeutung gewinnen:

«Du sollst deinen Nächsten lieben» und auch «Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen»; (Matthäus 5,43)

Oder die eines Paulus in Römer 13, Vers 10:

«Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.»

Naiv? Vielleicht. Aber ich denke doch, weniger naiv als der Glaube an die Weltrevolution.

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