Umkehrosmose ist kein Zaubertrick. Es ist Physik. Druck presst Wasser durch eine semipermeable Membran â und was auf der anderen Seite ankommt, ist molekular gereinigt: frei von gelösten Salzen, Schwermetallen, Nitrat, Mikroplastik und vielen organischen Verbindungen. Kein klassischer Filter, sondern Trennung auf molekularer Ebene.
Wie ein RO-System aufgebaut ist
Ein vollstĂ€ndiges System besteht aus mehreren Stufen â jede mit einer klaren Funktion:
- Sediment-Vorfilter (5 ”m / 1 ”m) â hĂ€lt Partikel, Rost und Schwebstoffe zurĂŒck. Schutz fĂŒr alles Nachfolgende.
- Aktivkohle â entfernt Chlor und Chloramine. Ohne diesen Schritt stirbt die Membran schnell.
- RO-Membran â das HerzstĂŒck. Hier passiert die eigentliche Trennung.
- Nachkohle / Mineralisierung (optional) â verbessert Geschmack, gibt dem Wasser Mineralstoffe zurĂŒck.
- Drucktank (optional) â puffert Volumen, damit nicht bei jeder Entnahme die Pumpe anlĂ€uft.
- Booster-Pumpe (optional) â notwendig bei Leitungsdruck unter 3 bar.
Die technischen Kennzahlen, die zÀhlen
Wer ein RO-System betreibt, sollte diese Werte kennen und regelmĂ€Ăig messen:
- Arbeitsdruck: ideal 3â6 bar. Darunter sinkt die Effizienz erheblich, die Membran produziert langsamer und die Abwasserquote steigt.
- AbwasserverhĂ€ltnis: 1:1 bis 1:4 â fĂŒr jeden Liter Permeat entstehen 1 bis 4 Liter Abwasser. GĂŒnstiger Druck und hochwertige Membranen verbessern dieses VerhĂ€ltnis.
- Produktionsrate: 50â400 GPD (Gallons per Day). Haushaltssysteme liegen meist bei 50â100 GPD.
- TDS-Wert: Total Dissolved Solids â gemessen mit einem einfachen TDS-Meter in ppm. Vergleich Rohwasser vs. Permeat zeigt die reale Leistung der Membran. RĂŒckhalterate guter Membranen: 95â99 %.
Wartung: Pflicht, keine Option
Ein RO-System das nicht gewartet wird, wird zum Problem. Die Intervalle:
- Vorfilter: alle 6â12 Monate wechseln, bei hartem oder stark belastetem Wasser frĂŒher.
- Membran: alle 2â5 Jahre â abhĂ€ngig von WasserqualitĂ€t und NutzungsintensitĂ€t.
- Tank: regelmĂ€Ăig spĂŒlen. Stehendes Wasser ist ein NĂ€hrboden fĂŒr Biofilm.
- Desinfektion: bei Systemstart nach Wartung oder lÀngerer Standzeit nicht vergessen.
Die echten Schwachstellen
Was in Produktbeschreibungen selten steht:
- Stehendes Wasser im Tank â Keimrisiko, besonders im Sommer. Ohne UV-Modul oder regelmĂ€Ăige SpĂŒlung ein reales Problem.
- Billige Membranen â schlechtere RĂŒckhalterate, kĂŒrzere Lebensdauer. Der Preis spiegelt sich direkt in der Leistung wider.
- Niedriger Leitungsdruck â unter 3 bar produziert das System ineffizient. Eine Booster-Pumpe kostet 30â60 ⏠und löst das Problem dauerhaft.
- Fehlender oder verstopfter Vorfilter â die Membran fouled schnell, die Lebensdauer halbiert sich.
- Billige Schlauchverbindungen â Leckagen passieren schleichend. QualitĂ€t bei Push-In-Fittings zahlt sich aus.
Reale Kosten
- Anschaffung: 100â500 ⏠fĂŒr Haushaltssysteme. Unter 100 ⏠wird’s beim Material eng.
- Filterkosten jĂ€hrlich: realistisch 40â120 âŹ.
- Membranwechsel: 40â80 ⏠alle 2â5 Jahre.
- Wasserverlust: das Abwasser ist ein laufender Kostenfaktor â bei 1:3-VerhĂ€ltnis und 10 Liter Tagesverbrauch gehen 30 Liter Leitungswasser durch das System.
Was Marketing verschweigt
Drei Dinge die oft nicht kommuniziert werden:
- RO-Wasser ist sehr mineralarm. Das ist nicht automatisch gesĂŒnder â wer ausschlieĂlich RO-Wasser trinkt, sollte Remineralisierung einplanen.
- Keimfreiheit ist nicht garantiert steril. Das Permeat ist klar, aber ein verkeimter Tank liefert trotzdem belastetes Wasser.
- Nicht alle chemischen Kontaminationen werden entfernt. Bestimmte gelöste Gase und einige organische Verbindungen passieren die Membran teilweise.
Sinnvolle ErgÀnzungen
- UV-Modul bei Tanknutzung â eliminiert Keime direkt vor der Entnahme.
- Druckmanometer â zeigt sofort wenn der Vordruck abfĂ€llt oder der Tank voll ist.
- Durchflussbegrenzer richtig dimensioniert â zu groĂ gewĂ€hlt verschlechtert das AbwasserverhĂ€ltnis deutlich.
- Wasseranalyse vorab â HĂ€rte, Nitrat, TDS des Rohwassers kennen. Das bestimmt Filterauswahl und Wartungsintervalle.
Fazit: Systemdenken statt Produktglaube
Umkehrosmose ist ein Baustein, kein Allheilmittel. Die Kombination aus sauberem Vordruck, richtig dimensionierter Vorfiltration, wartungsfreundlichem Aufbau und regelmĂ€Ăigem Monitoring macht das System stabil und zuverlĂ€ssig. Das Ziel ist nicht âmagisches Wasser“ â sondern kontrollierbare, reproduzierbare WasserqualitĂ€t. Wer das versteht, bekommt aus einem 200-âŹ-System dauerhaft gute Ergebnisse. Wer darauf verzichtet, hat nach zwei Jahren ein verkeimtes, ineffizientes System und wundert sich.