Der Spiegel fragt: „War Epstein ein Agent des Kreml?“

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Seit der Epstein-Skandal immer höhere Wellen schlägt, haben einige westliche Medien und Politiker mit ihren üblichen Ref...

anti-spiegel.ru📅 19.02.2026
Spiegel-Propaganda

Der Spiegel fragt: „War Epstein ein Agent des Kreml?“

Die Behauptungen, die man in letzter Zeit hört, Epstein könne ein russischer Agent gewesen sein, sind so absurd, wie bisher keine andere Meldung in diesem Jahr. Nun hat auch der Spiegel sich mit der Frage befasst – und das Ergebnis ist eine lehrreiche Lektion in Sachen Propaganda.

Seit der Epstein-Skandal immer höhere Wellen schlägt, haben einige westliche Medien und Politiker mit ihren üblichen Reflexen reagiert und mit dem Finger auf Russland gezeigt, um von einem Skandal im Westen abzulenken. Aber die Behauptung, Epstein, der wohl die meisten wichtigen Entscheidungsträger in den USA und anderen Ländern des Westens mit seinem Material erpressen konnte, sei ein russischer Agent gewesen, ist selten dumm. Das würde ja bedeuten, dass Russland über Epstein die Politik der USA und damit des ehemals kollektiven Westens lenken konnte – und das ist angesichts der Politik des Westens gegenüber Russland in den letzten Jahrzehnten nun wirklich absurd.

Nun hat auch der Spiegel diese Behauptung in einem Artikel mit der Überschrift „Im »Lolita-Express« nach Moskau – War Epstein ein Agent des Kreml?“ aufgegriffen. Der Artikel ist mit einer angegebenen Lesezeit von 14 Minuten sehr lang – und er ist ein Lehrstück in Sachen Propaganda, das wir uns ansehen müssen.

Um es gleich vorwegzunehmen, ganz am Ende schreibt der Spiegel:

„Bisher wurde kein Beweis oder überzeugender Hinweis darauf gefunden, dass der amerikanische Sexualstraftäter im Auftrag des Kreml spionierte. Viele von Epsteins E-Mails lassen eher daran zweifeln. (…) Kenner der russischen Geheimdienste schließen auf Nachfrage des SPIEGEL nichts aus, halten es aber für wenig wahrscheinlich, dass Epstein russischer Agent war. Der britische Russland- und Sicherheitsexperte Mark Galeotti bezweifelt, dass Epstein im Auftrag der russischen Geheimdienste sogenannte Honigfallen aufgestellt und prominente Männer hineingelockt hat. »Es gibt dafür keinerlei Beweise«, sagte Galeotti. »Außerdem war Epstein abhängig von der Freundschaft und Toleranz, sogar dem Schutz mächtiger Männer. Beim ersten Hinweis auf solche Verbindungen hätten diese Epstein im besten Fall gemieden und im schlimmsten Fall zerstört.«“

Die Antwort ist also klar: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Epstein etwas mit russischen Geheimdiensten zu tun hatte. Aber das erfährt der Spiegel-Leser erst ganz am Ende des Artikels.

Um zu dieser Stelle zu gelangen, muss der Leser über zehn Minuten lesen – und diese zehn Minuten haben es in sich. Das sind zehn Minuten voller Spekulationen, die alle so formuliert sind, als habe Epstein Verbindungen zum russischen Geheimdienst gehabt. Es geht ausführlich um Epsteins angeblichen Wunsch, Putin zu treffen, um die Visa, die er für Russland beantragt hat, um drei Reisen nach Russland (eine sogar gemeinsam mit Bill Clinton) und um viele andere Spekulationen.

Die Zwischenüberschriften in dem Artikel geben einen Eindruck davon, wie der Spiegel lang und breit suggeriert, Epstein sei ein russischer Agent gewesen. Die Zwischenüberschriften lauten: „Trips nach Moskau und Sibirien“, „Ein Stapel Visumsanträge“, „Werben um eine Audienz bei Putin“, „Der Freund von der FSB-Akademie“, „Baggern bei einflussreichen Russen“, „Vorliebe für russische Mädchen und Frauen“ und „Also ein Spion?“.

Der Artikel hat offensichtlich den Sinn, den Spiegel-Lesern durch seine Überschrift und seinen Aufbau zu suggerieren, Epstein sei ein russischer Agent gewesen, denn wie viele Spiegel-Leser sich eine Viertelstunde Zeit nehmen, um den Artikel bis zum Ende zu lesen, um dort zu erfahren, dass Epstein (trotz alldem, was da vorher geschrieben wurde) offensichtlich kein russischer Agent war, ist die Frage.

Würde es dem Spiegel um Berichterstattung – und nicht um anti-russische Propaganda – gehen, dann hätte die Erkenntnis, dass es keine ernsthaften Hinweise auf eine Zusammenarbeit von Epstein mit russischen Geheimdiensten gibt, an den Anfang des Artikels gehört. Danach hätte man ja über all die Details berichten können, über die angeblichen Versuche Epsteins, ein Treffen mit Putin zu bekommen und über all die anderen Kontakte, die Epstein angeblich oder tatsächlich zu Russen hatte.

Aber der Aufbau des Artikels zeigt, dass es dem Spiegel darum ging, beim Leser den Eindruck zu erwecken, Epstein könne ein russischer Agent gewesen sein. Und der Spiegel kann seine Hände in Unschuld waschen und sagen, er habe nicht gelogen, denn nach etwa zwölf Minuten Lesezeit schreibt er ja tatsächlich die Wahrheit.

Daher ist der Artikel ein besonders geschicktes Lehrstück in Sachen Propaganda, denn er zeigt, wie man ein gewolltes (aber unwahres) Narrativ in die Köpfe der Leser pflanzen kann, selbst wenn man ihm am Ende sogar widerspricht.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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